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06.02.2015 Von: Dr. Claudia Gangl

Aujeszkysche Krankheit – Darauf sollen Jäger achten

Ende 2014 ist ein Jagdhund im Raum Kelheim nach dem Jagdeinsatz auf Schwarzwild verendet. Untersuchungen haben ergeben, dass sich das Tier mit dem Aujeszky-Virus (AKV) infiziert hatte. Dies gibt Anlass, die Viruserkrankung und die damit verbundenen Besonderheiten sowie Vorsichtsmaßnahmen wieder ins Gedächtnis zu rufen.


Beim Erreger der sogenannten Aujeszkyschen Krankheit (AK) handelt es sich um ein Herpesvirus. 

Neben Schweinen sind besonders Hunde, Katzen und Wiederkäuer, aber auch Nagetiere und Hasenartige infektionsanfällig. Außer Schweineartigen sind alle anderen Tierarten „Endwirte“, die zwar erkranken, das Virus aber nicht weitergeben können. Bei diesen verläuft die Krankheit ausnahmslos tödlich, es bestehen keinerlei Therapiemöglichkeiten. Menschen sind nicht für das Virus empfänglich.

Sauen, die sich einmal infiziert haben, bleiben lebenslang Virusträger, obwohl der Organismus Antikörper gegen das Virus entwickelt. Bekannt ist uns dieses Phänomen vom humanen Herpes-simplex Virus und den wiederkehrenden Lippenbläschen, die Zeichen einer Reaktivierung des Virus durch bestimmte innere und äußere Faktoren sind. Unter Stressbedingungen, die zu einer Beeinträchtigung des Immunsystems des betreffenden Tieres führen, kann es dann zu einer Reaktivierung und Ausscheidung des Virus´ kommen. Grundsätzlich ist jede als gesund erlegte Sau als eine potenzielle Infektionsquelle für Hunde anzusehen. Man sieht den Sauen nicht an, ob sie sich schon einmal infiziert haben und das Virus nun in ihnen „schlummert“ oder sie gar das Virus ausscheiden.

Die Infektion erfolgt bei Hunden in der Regel über das Maul, d.h. über eine orale Aufnahme des Virus. Das passiert zum einen über das Fressen von Virus-haltigem Organmaterial, wie etwa Aufbruch vom Schwarzwild, das Aufschlecken von Schweiß oder Speichel, aber auch über Wunden in der Mundschleimhaut des Hundes, wenn beispielsweise der Hund das tote Wildschwein schüttelt und so mit Schweiß in Berührung kommt. Aber auch über Bissverletzungen durch die Wildschweine kann es zum Eintrag des Erregers kommen.

Drei bis fünf Tage liegen in der Regel zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome, innerhalb der folgenden 16 bis 48 Stunden verstirbt der Hund, Heilung gibt es nicht.

So kann das Ansteckungsrisiko für den Jagdhund vermindert werden:

  • Das Verfüttern von rohem Schwarzwildbret oder Aufbruch ist ein absolutes Tabu. Hunde sind vom Streckenplatz und von Aufbruchplätzen fernzuhalten.
  • Der direkte Kontakt des Hundes zu Schwarzwild, egal ob zu lebenden oder toten Stücken, sollte auf ein Minimum reduziert werden.
  • Hunde, die Sauen scharf angehen oder die Beute in Besitz nehmen wollen, sind besonders gefährdet. Hunde, die Sauen nur hochmachen und verbellen, aber nicht packen, laufen weniger Gefahr sich anzustecken. Deshalb sind diese Hunde bei der Schwarzwildjagd bevorzugt einzusetzen. 
  • Sie sollten Ihre Hunde nicht unbeobachtet laufen lassen. Der kontrolliert am Schweißriemen arbeitende Nachsuchenhund ist vergleichsweise weniger gefährdet, weil er den Schweiß in der Regel nicht aufschleckt, sondern nur „erriecht“.

AK-Infektionen bei Jagdhunden sind zwar bislang eher selten, ein Nullrisiko gibt es allerdings nicht, denn der Kontakt zwischen Hund und Sau lässt sich bei der Jagdausübung nie ganz ausschließen. Das Risiko kann aber durch die genannten Maßnahmen deutlich verringert werden.

Hilfreich wäre es, die Erregerhäufigkeit, die so genannte Prävalenz, in den Revieren zu kennen und so das Risiko bezüglich des Einsatzes der Jagdhunde von Fall zu Fall abzuwägen. Mittlerweile sind in allen Regierungsbezirken Prävalenzen von ein bis fast 20% (Datenlage 12/2014) zu verzeichnen.

Grundsätzlich ist aber festzustellen, dass das Infektionsrisiko, trotz der Tragik für die im Einzelnen betroffenen Tiere und deren Halter, in der Gesamtheit keinen Anlass zur Panik gibt.

Dr. Claudia Gangl, Referentin für Wildkrankheiten und Tierschutz beim BJV